Heimliche Hauptstadt


München halt. Was sonst...

O`zapft is - trotz Corona

Ein lokaler TV-Sender lässt ein Trachtenpärchen in Landhausmode das Oktoberfest 2020 moderieren. Nur - es findet heuer garnicht statt. Den Phantomschmerz wegen der Absage bekämpfen die beiden mit einer Phantom-Moderation.
Ein Getränkemarkt verkauft Wiesn-Feeling zu Wiesn-Preisen. Im Klartext: Das Tragl Bier mit 20 Flaschen kostet statt der üblichen € 15,60 stolze 114,- € - das hätten 10 Maß auf dem Oktoberfest auch gekostet. Tröstlich dabei: mit der Wiesn ist heuer auch die alljährliche Bierpreiserhöhung ausgefallen. Corona sei Dank !
Auf der Theresienwiese herrscht striktes Alkoholverbot. Ausser, irgendein Gericht hebt diese städtische Anordnung wieder auf. Statt Einzug der Wiesnwirte mit prächtig geschmückten Gespannen: Eine kleine Demo von Tier- und Klimaschützern. Mit Nasen-Mund-Maske und Mindestabstand. Da paßt die Polizei jetzt schon auf. 
Am weltweit bekannten Kotz- und Betatschhügel unter der Bavaria picknict eine Gruppe von arbeitslosen Festzelt-Bedienungen. Dazu gibt`s Spezi und stilles Mineralwasser.
Dagegen ist in der Stadt selber direkt was los. Über 50 Gastronomen bieten, jeder für sich, die Lego-Version des völkerverbindenden Bierfestivals an. Oft mit Blasmusik. Und Anzapfen. Auch Alt-Oberbürgermeister Christian Ude zapft wieder an. Er war ja in seiner Amtszeit dafür berühmt, daß er einen Hirschen, ein 100-Liter-Faß, mit nur 2 Schlägen betriebsbereit machen konnte. Aber heuer, nach 7 Jahren als Politrentner, überreichte er die erste Maß nicht dem Ministerpräsidenten. Nach einer ziemlich großen Zahl an Schlägen war eine nicht ganz so große Menge an Massen in der Bierpfütze gelandet, in der er nach dem Anzapfen waten mußte. Genauere Angaben gibt`s nicht, sie wissen schon, Datenschutz und so...

Als Bayer kann man die Ersatz-Wiesn eigentlich nur in stiller Resignation kommentieren: Da ist Hopfen und Malz verloren...  

Besuch im Neuen Rathaus

 Eine Liebeserklärung von Micky Rittner in Wort und Bild



Schön und stolz steht es dort am Marienplatz, im Herzen der Stadt. Egal, zu welcher Tageszeit, es geht immer, je nach Licht, ein besonderer Zauber von ihm aus. Und in der Nacht wirkt es beinahe schon mystisch!

Jeder hetzt im Alltag vorbei an diesem neugotischen Gebäude, ohne es wirklich wahrzunehmen. Es steht da ja schon immer. Schon immer? Nein, machen wir uns doch bewusst, daß dieses Rathaus gerade mal vor rund 110 Jahren fertig wurde ! Weil das Alte Rathaus zu klein geworden ist und die Stadt sprunghaft anwuchs, beschloss der Magistrat eine Ausschreibung zum Bau eines neuen Rathauses. Den Zuschlag bekam der erst 25jährige Grazer Georg Hauberrisser. Im Juni 1867 begann der Bau. Als dieser fertig war, stellte man fest: schon wieder zu klein! Also "anstückeln". Und Hauberrisser entwarf ALLES!!! Egal, ob es das Mobiliar war, die Beleuchtung oder die Buntglasfenster. Und  jedes noch so kleine Detail der Fassade. So wurde 1908 und drei Bauabschnitte später das Neue Rathaus fertig. Und da steht es heute genau wie damals!

Die zeitgenössischen Münchner machten sich lustig über diesen Bau ! Sie sagten, München wird für alle Zeit das abgeschmackteste Rathaus der Welt besitzen. Hauberrisser selbst wurde gar als "Gothik-Giggerl" beschimpft! Oh, wie sie sich getäuscht haben ! Und auch die Tatsache, daß dieses Rathaus im 2. Weltkrieg "nur" beschädigt, nicht völlig zerstört wurde, macht es zu einem besonderen Gebäude. Ich werde nicht müde, die Fassade zu bestaunen.  In den Innenhof zu gehen und nach oben zu sehen. Jedesmal entdecke ich was Neues ! Eben dieses  Nach-oben-sehen lässt mich immer wieder neue Dinge entdecken, die von den meisten Besuchern in der Hektik unserer Zeit übersehen werden. So throhnt ganz oben auf der Rathausspitze, in 85 Metern Höhe, das Wahrzeichen unserer Stadt. Unser Münchner Kindl!  1 Meter 65 groß, steht es seit dem 4. Dezember 1905 auf dem Rathausturm. Entworfen von dem Bildhauer Anton Schmid. Der ließ seinen Sohn  Ludwig Schmid-Wildy, den später sehr beliebten Volksschauspieler, Modell stehen. 

Überhaupt das Münchner Kindl ! Im gesamten Rathaus taucht es unzählige Male auf. An Wänden, Decken, Türstöcken, in den Buntglasfenstern. Oder der Lindwurm an der  Südwestecke. Der Sage nach war es dieses Eck, aus dem ein Lindwurm aus der Erde kroch und die Pest über München brachte. Unser Rathaus bietet so viel mehr als das Glockenspiel, das die ganze Welt kennt. Apropos Glockenspiel: Wer von den Münchnern weiß denn schon, daß täglich Abends um 21 Uhr das Münchner Kindl zu den Klängen des Wiegenlieds von Johannes Brahms zu Bett gebracht wird?

Wer von den Münchnern macht sich schon die Mühe, sein Rathaus mal von innen anzusehen? Glaubt mir, die wenigsten! Jeder chinesische Tourist weiß mehr! Ich bin nun schon dreimal die Rathaustour mitgelaufen. (Zu buchen im Infoladen in den Rathausarkaden) Und immer erfahre ich was Neues. So, wie zum Beispiel die Geschichte der Prinzregent Luitpold Treppe, die so heißt, weil sich der Prinzregent auf dieser Treppe das Bein brach. Schuld daran war  die etwas funzelig flackernde Gasbeleuchtung. Schnell wurde danach auf elektrisches Licht umgestellt. Und wenn man den kleinen Sitzungssaal betritt, der noch originalgetreu so aussieht, wie der Magistrat ihn sich damals gewünscht hat, dann spürt man den Atem der Geschichte.

Zum Bestaunen ist auch das Gemälde "Monachia" im großen  Sitzungssaal: 15 Meter 30  mal  4 Meter 60  groß! Darauf zu sehen sind 128 Persönlichkeiten der Münchner Stadtgeschichte. Die damals herrschenden Wittelsbacher haben sich sehr geärgert, da sie für den Maler Carl Theodor von Piloty nur eine nur eine Randerscheinung in diesem Gemälde sind. Das Bild wurde am 21. Juli 1879 aufgestellt und kostete 50.000 Gulden.

Oder das Gefühl, auf dem Rathausbalkon zu stehen! Bitte, es ist NICHT der FC Bayern Balkon, das hört der Münchner gar ned gern! Wenn Du dort auf dem Balkon stehst, ist rechts von Dir der  König Ludwig II., links von Dir ist der Prinzregent auf seinem Pferd, vor Dir, fast auf Augenhöhe, ist die Mariensäule. Du schaust auf den Marienplatz, bewunderst Dein Altes Rathaus, und bist stoiz, ein Münchner zu sein !

Das Alte Rathaus ist von der Bausubstanz her eigentlich jünger als das Neue. Original gebaut 1310, bis 1874 erweitert, saniert, oft umgebaut. Es wurde am 25. April 1944 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt und erst 1953 bis 1958 wieder aufgebaut. Somit ist das Alte Rathaus im heutigen Zustand jünger, aber eigentlich ist das "Dipferlscheißerei". Das Alte Rathaus wird immer das "Alte" bleiben, und das "Neue" das Neue.

Mit dem Aufzug geht es dann auf den Turm, und von dort ist der Blick atemberaubend!

Die Weite der Stadt, die Frauentürme ganz nah, der Alte Peter fast zum Greifen nah. Nicht nur bei Föhn siehst Du die Berge.  Und die Bavaria, die Allianz Arena und den Monopteros !

Und zur Adventszeit, wenn es früh dunkel wird, siehst Du die Lichter der ganzen Stadt, der Christkindlmarkt funkelt zu Dir herauf. Es ist still und kalt, und Du spürst...Do bin i dahoam...

Andreas Babor informiert


E-Sport


FC Bayern & 1860 spielen mit


E-Sport ist rasend schnell zum Milliardengeschäft geworden. E-Sport: das sind Wettkämpfe mit Computerspielen. Viele werden weltweit ausgetragen.

Kennen Sie die neuen Spieler des FC Bayern München ? Alejandro Alguacil Segura, Miguel Mestre Oltra und Jose´ Sanchez Guillen? Trotz großem Fußballsachverstand haben Sie von diesen Spielern noch nie gehört? Dann kennen Sie vermutlich auch nicht den aktuellen Fußball-Weltmeister "MoAuba".


Keine Sorge. Ihr Fußballsachverstand ist  nicht gefährdet. Alejandro, Miguel und Jose sind Spieler der neuen E-Sport Abteilung des FC Bayern  in der KONAMI eFootball.Pro League. So  heißt das internationale Ligaformat des Spiels PES 2020, in dem ausschließlich eSport-Teams von realen Profi-Fußballclubs gegeneinander antreten. Neben dem FC Bayern erweitern Teams  des FC Barcelona, von Manchester United, FC Arsenal, Juventus Turin, Celtic Glasgow, AS Monaco, FC Schalke 04, FC Nantes und Boavista FC das renommierte Teilnehmerfeld. Mohammed "MoAuba" Harkous hat als erster Deutscher beim FIFA eWorld Cup in London, der Weltmeisterschaft im Computerspiel FIFA Soccer, den Weltmeister-Titel gewonnen. Der 22jährige Nationalspieler von Werder Bremen setzte sich im konsolenübergreifenden Finale, das auf Xbox und PlayStation4 gespielt wurde, in der Fußball-Simulation FIFA 19 gegen den Titelverteidiger Mosaad "Msdossary" Aldossary aus Saudi-Arabien mit 3:2 (1:1/2:1) durch. Mit dem Sieg sicherte sich Harkous ein Preisgeld von 250.000 US-Dollar (rund 225.000 €).


Computerspiele wie Dota 2, League of Legends, Counter-Strike, Overwatch oder die Fußballgames Fifa und PES werden längst nicht mehr nur im heimischen Wohnzimmer gezockt, sondern in Stadien und Arenen auf der ganzen Welt. Auf der ESL One kämpfen vom 10. bis 12. Juli 2020 die weltbesten Teams in der Lanxess-Arena um die Krone in der Disziplin "Counter-Strike: Global Offensive". Insgesamt 16 Teams aus aller Welt zocken um ein Preisgeld von einer Million US-Dollar. Und Millionen Fans verfolgen das Spektakel online. Wie bei einem großen Sport-Event kommentieren Moderatoren jede Begegnung live und teilweise mit dramatischen Ausrufen zu jedem Abschuß im Spiel. Der Sieger, der im Finale gekürt wird, hat neben dem Preisgeld außerdem die Chance auf eine weitere Million Euro. Denn im Rahmen des "Intel Grand Slams" erhält der Gewinner von vier der  zehn großen Counter Strike Turniere den großen Teampreis. Ein bißchen ist es wie beim "echten" Sport: zwei Teams, bestehend zumeist aus 6 Spielern, treten gegeneinander  an. Massenhaft Zuschauer, Preisgelder in Millionenhöhe. Der Coach steht nicht an der Seitenlinie, sondern wird per Livestream zugeschaltet. Und die Spieler stehen nicht auf dem Feld, sondern sitzen vor dem Bildschirm.

Was  für die Einen bloßes Computer-Gedaddel ist, ist für die  Anderen eine Sportart: professionell betriebenes Gaming hat in den vergangenen Jahren enorm an Beliebtheit gewonnen. Mittlerweile gibt hauptberufliche Spieler und Coaches, die bei Turnieren in verschiedenen Spielen gegeneinander antreten. Und weil E-Sport auch bei Sponsoren immer beliebter wird, spielen sie dabei um Millionensummen. Allein bei Events mit dem Klassiker Fortnite wurden im Jahr 2018 100 Millionen Dollar an Preisgeldern ausgeschüttet. Die in Deutschland gegründete Computerspiel-Liga ESL ist einer der größten Veranstalter weltweit  von Games-Turnieren. Auch Spielehersteller wie Blizzard oder Valve laden zu internationalen Meisterschaften. 

Selbst die Politik hat die neue "Sportart für sich entdeckt. Im Abschnitt "Besseres Leben durch Fortschritt" im Koalitionsvertrag der Berliner Groko steht, als Regierung wolle man "die wachsende Bedeutung der E-Sport-Landschaft anerkennen" und "E-Sport künftig vollständig als eigene  Sportart" aufwerten. Die CSU in München fordert nun die Finals der "League-of-Legends-Weltmeisterschaft" nach München zu holen. Eine solche Veranstaltung vermag tatsächlich Hallen und Stadien genauso zu füllen wie die Konzerte internationaler Rockstars. Tatsächlich hat das Strategie- und Actionspiel "League of Legends" (LoL) eine riesige Fangemeinde. Laut dem Entwicklerstudio  Riot Games hat LoL die meisten aktiven Spieler. Es heißt, täglich sollen weltweit mehr als acht Millionen Menschen vor ihrem PC sitzen und zocken. Der TSV 1860 München unterhält sogar ein LoL-Profi-Team, das jedoch bislang  nicht in der obersten europäischen  Liga mitmischt.

Aber was hat E-Sport eigentlich mit Sport zu tun? Die Meinungen gehen weit auseinander.  Der Deutsche Olympische Sportbund, kurz DOSB, legt fest, was als Sport zählt und was nicht. Der DOSB klammert sich an drei Hauptkriterien, die eine Sportart erfüllen muß - und  E-Sport erfüllt nach Ansicht des Verbandes keine davon.

Argument 1:  Sport ist Sport, wenn man sich bewegt

Ein vom DOSB aufgegebenes  Rechtsgutachten kommt zu dem Ergebnis: E-Sport ist kein Sport. Der Begriff "Sport" sei "durch die langjährige Rechtssprechung im traditionellen Sinne der Anforderungen an die Körperlichkeit konkretisiert."  Heißt es in dem Dokument. Jegliches Spiel an der Konsole falle nicht unter diesen und sei "kein  Sport im Sinne des geltenden Rechts". Nach den Richtlinien des DOSB fehlt dem E-Sport eine "eigene,  Sportart bestimmende motorische  Aktivität". Man muß sich halt bewegen. Ein Argument, das nur schwer nachzuvollziehen ist. Denken wir nur mal an Schach.  Dieses Brettspiel ist vom DSOB als Sport anerkannt. Da kommt auch kein Athlet ins Schwitzen. Wogegen ein Spieler bei Starcraft 2 zum Beispiel bis zu 300 Anschläge pro Minute auf der Tastatur hat. Dazu die mentale Anstrengung. 

Argument 2: Kein Sport ohne Verein

Besonders ein Argument scheint die Anerkennung von E-Sport zu erschweren. E-Sport hat keine Vereinsstruktur. Um als Sport anerkannt zu werden, sind in Deutschland Vereine mit insgesamt mindestens 10.000 Mitgliedern notwendig. Aber ganz ehrlich: braucht es die überhaupt? Schließlich geht es doch um E-Sport. Einen Sport, der vor allem Online ausgeübt wird. E-Sport könnte theoretisch die erste grenzenlose Sportart der Welt sein. Könnte ganz ohne Vereinsmeierei funktionieren. Ganz ohne Sportfunktionäre. Wohnort, Alter, Geschlecht, Behinderung - das alles spielt im E-Sport keine Rolle.  Eine halbseitig gelähmte Teenagerin aus Wanne-Eickel kann sich mit dem afro-amerikanischen Rentner aus New York messen - solange der Skill stimmt. Diese Utopie steht im Widerspruch zu den verkrusteten Regeln und Vorstellungen des Olympischen Sportbunds. Dessen Funktionäre übrigens ziemlich üppig honoriert werden. Abgesehen davon bilden sich immer mehr E-Sport Clubs. Zunehmend alle großen bekannten Fußballvereine haben eine E-Sport-Abteilung gegründet oder beabsichtigen dies, so, wie der FC Bayern und der TSV 1860.

Argument 3: Sport muß ethisch wertvoll sein

Das letzte Argument des DOSB gegen E-Sport scheint halbwegs einleuchtend. Sport muß ethische Werte einhalten. Dazu zählen Fair Play, Chancengleichheit, Unverletzlichkeit der Person und so weiter. Gerade bei den sogenannten "Ballerspielen", bei denen es um Abschüsse und Überleben geht, scheint die Haltung des DOSB gerechtfertigt. Allerdings dürfte dann in der Konseqenz auch Kampfsport, insbesondere das Ultimate Fighting, nicht als Sport anerkannt werden.  Und beim Boxen gäbe es zumindesten Diskussionsbedarf.  Das Asiatische Olympische Komitee hat E-Sport mittlerweile  ins Programm für die Asienspiele aufgenommen. 2022 wird es auf dem virtuellen Spielfeld erstmals um olympisches Gold gehen.

Eines kann man dem E-Sport nicht absprechen: er hat seine Fans und seine Faszination. Und die Fangemeinde wird täglich rasant größer. Vielleicht verfolgen auch Sie anstelle einer langweiligen Sportveranstaltung wie der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in der Hitze Dohas künftig lieber die Weltmeisterschaft der "League of Legends"